Die Geschichte der Orgel

Die Orgel von 1787

Die Plauener Lutherkirche, bis 1883 Bartholomäuskirche genannt, entstand 1693-1722 als Gottesackerkirche, wurde bis 1866 als solche genutzt und ist seit 1893 Gemeindekirche.

Eine Orgel erhielt sie erst 1787 als Schenkung des vermögenden Plauener Kaufmanns Carl Heinrich Höffer (1732-1793), der sich gleichermaßen kulturell wie charitativ engagierte und die Abhaltung regelmäßiger Gottesdienste intendierte. Zunächst anonym („ein Verehrer Gottes und Freund der Armen“), hatte er durch den Leipziger Bankier Johann Heinrich Küstner am 7. April 1787 ein entsprechendes Angebot unterbreiten lassen. Nachdem dieses von Superintendent und Stadtrat angenommen worden war, kam es zur Realisierung.

Höffer hatte 50 Taler zum Ankauf der kleinen alten, durch einen Neubau der Gebrüder Johann Gottlob und Christian Wilhelm Trampeli aus Adorf ersetzten Orgel der Kirche zu Oberlosa bei Plauen und 10 Taler für deren Aufbau in der Gottesackerkirche gestiftet. Umsetzung und Reparatur übernahm der Hofer Orgelbauer Friedrich Heidenreich. Die Arbeit gestaltete sich freilich weitaus umfänglicher als gedacht, so dass sie am Ende 100 Taler kostete. Mit Hilfe Superintendent Hands konnte das Geld aufgebracht werden, der am 23. Juli 1787 schrieb, dass die Orgel nun vollkommen brauchbar und eine Zierde der Kirche sei, die „die Harmonie des feyerlichen Gesanges unterhalten“ könne.

Es handelte sich um ein „Werklein“, das Adam Engelhard von Steinwach auf Oberlosa für die Dorfkirche gebraucht aus der Plauener Stadtkirche St. Johannis erworben hatte, wo es nach dem Stadtbrand von 1635 und vor dem Kauf einer Orgel aus der Werkstatt von Jacob und Andreas Schedlich in St. Joachimsthal 1650 als Interimsinstrument gedient hatte. 1707/08 war es durch Adam Heinrich Gruber aus Adorf erneuert worden. Nachdem Schüler Zinnpfeifen entwendet hatten und die Gottesackerkirche 1813/14 nach der Leipziger Völkerschlacht als russisches Lazarett gedient hatte, wurde es 1819 als desolat und unbrauchbar geschildert, gleichwohl aber nicht repariert.

Am 27. April 1833 ließ die Kircheninspektion Plauen das Gehäuse, die Windladen und die hölzernen Pfeifen gegen sofortige Barzahlung auf Abbruch versteigern, um Platz für eine neue Orgel zu schaffen. Schon am 23. März 1833 hatte sie vor dem Hintergrund einer privaten Stiftung das Königlich Sächsische Konsistorium zu Leipzig um die Zustimmung zu einem Orgelneubau ersucht. Dabei wurde die vorhandene Orgel als ein kleines Werk „von Acht Stimmen, worunter zwar Ein Baß im Pedal, aber das Principal nur zweyfüßig war, überdieß ganz in uralter Form gebaut, mit der kurzen Octave und das Clavier im Rücken“ beschrieben. An eine Wiederherstellung sei nicht zu denken, sie überstiege den Wert bei weitem.

Die Orgel Johann Gottlob Mendes von 1834

Der am 6. Juli 1832 verstorbene Plauener Weißbäckermeister Carl August Herold hatte in seinem am 15. Mai 1832 errichteten Testament ein Vermächtnis von 1 000 Talern, zahlbar ein halbes Jahr nach seinem Tode, für den Bau einer neuen Orgel in der Gottesackerkirche ausgesetzt. Die Kircheninspektion beriet nun unter Zuziehung sachkundiger Männer über die Realisierung eines den Raumverhältnissen angepassten Instruments. Der der Kirchenmusik zugetane und über entsprechende Kenntnisse verfügende Superintendent Dr. Christian Anton August Fiedler entwarf eine erste Disposition, die anzusprechenden guten Orgelbauern vorgelegt werden sollte. Eine vom 7. September 1832 datierte Disposition ist wohl damit identisch.

In die Wahl kamen drei inländische, also sächsische, Orgelbaumeister: Christian Gottlob Steinmüller in Grünhain, Johann Gotthold Jehmlich in Dresden und Johann Gottlob Mende in Leipzig. Der gebürtige Vogtländer Steinmüller musste wegen Überlastung absagen, Jehmlich hegte wegen der Bedingungen Bedenken. Mende, der von einem anderen, nicht zustande gekommenen Auftrag Vorarbeiten liegen hatte, erstellte am 15. Oktober 1832 einen weitestgehend an der Disposition vom 7. September 1832 orientierten Anschlag. Die von ihm veranschlagte Bausumme von 1 350 Talern konnte am 29. November 1832 gesichert werden, als sich auf einer gemeinsamen Beratung aller Beteiligten die Witwe Marie Sophie Herold geb. Wolfram zur Zustiftung der fehlenden 350 Taler bereiterklärt hatte. Auch der Abbruch des zu kleinen alten Schüler- und Orgelchors und der Bau eines größeren im Zuge der ersten Empore wurden vereinbart, wozu der Plauener Maurermeister Carl Rädel am 9. März 1833 einen Kostenvoranschlag über 328 Taler erstellte.

Die Summe von 1 350 Talern sollte der Orgelbauer in vier Raten erhalten, nämlich jeweils 337 Taler 12 Groschen nach Abschluss des Kontrakts, wenn das Werk zum Aufsetzen fertig sei, wenn das Werk aufgestellt und vom Sachverständigen geprüft und für gut befunden sei sowie ein Jahr nach Vollendung des Werks. Der Orgelbauer sollte dafür alle Auslagen für Material und Arbeitslöhne selbst tragen, namentlich das Gehäuse nebst Bildhauerarbeit, Staffierung, Vergoldung, der gesamten Zimmer-, Schmiede- und Schlosserarbeit, sowie den gesamten Holzbedarf zu Gerüsten, Lagern und Verschlägen selbst anschaffen, auch alle Fuhren beim Hertransport des Orgelwerks und bei der Rückreise, ferner den während seiner Anwesenheit beim Bau des Orgelwerks erforderlichen Aufwand für Kost und Logis und dergleichen für sich und seine Gehilfen bestreiten. Bei der Abholung der letzten Ratenzahlung sollte er etwaige Schäden, die ohne fremde Gewalteinwirkung entstanden seien, unentgeltlich nachbessern, namentlich die Stimmung nochmals in Ordnung bringen.

Die Disposition lautete folgendermaßen:

a, im Hauptwerk. b, im Oberwerk. c, im Pedal. d, Nebenzüge.
1. Principal 8' 11. Principal 4' 17. Violonbass 16' 20. Koppel im Hauptwerk
2. Bordun 16' 12. Quintatoene 8' 18. Principalbass 8' 21. Sperrventil zum Hauptwerk
3. Gedackt 8' 13. Rohrfloete 4' 19. Posaunenbass 16' 22. Sperrventil zum Oberwerk
4. Floete 8' 14. Octave 2' 23. Kalkantenklingel
5. Viola da Gamba 8' 15. Trompette 8'
6. Octave 16. Cornett 3fach
7. Gemshorn 4'
8. Quinte 3'
9. Octave 2'
10. Mixtur 4fach

Die Prospektgestaltung findet sich vergleichbar an der zehn Jahre jüngeren Mendeorgel der St. Bartholomäuskirche im nordsächsischen Belgern wieder, ebenso am erhalten gebliebenen Prospekt der ehemaligen Mendeorgel der Kirche in Leipzig-Schönefeld von 1820, die er im Auftrage seines Hallenser Lehrmeisters Karl Albrecht von Knoblauch erbaut hatte.

Die Orgelweihe erfolgte am Bartholomäustag, dem 24. August 1834. Superintendent Fiedler gab in seiner Weihepredigt der Freude über das gelungene Projekt Ausdruck. Er hielt sie über einen biblischen Text aus dem 2. Chronikbuch, Kapitel 7, Vers 11, der Bezug auf die Weihe des Tempels Salomos nimmt: „So vollendete Salomo das Haus des HERRN und das Haus des Königs. Und es gelang ihm alles, was ihm in den Sinn gekommen war, am Hause des HERRN und an seinem Hause auszuführen. “ Er betrachtete das Orgelwerk, an dessen Zustandekommen er auch selbst aktiven Anteil gehabt hatte, unter folgenden wesentlichen Gesichtspunkten:

  1. als schätzbares Pfand eines frommen Wohlwollens;
  2. als beachtungswertes Werk einer seltenen Kunst;
  3. als zweckvollen Schmuck eines gern besuchten Tempels;
  4. als treffendes Bild eines christlich-bürgerlichen Vereins.

Den musikalischen Höhepunkt bildete die Aufführung einer Partie aus einer vom Dresdner Kreuzkantor Julius Otto komponierten Orgelweihkantate.

Am Nachmittag fand außerdem ein Benefizkonzert mit dem aus Plauen gebürtigen Reichenbacher Diakonus Karl Friedrich Braun zugunsten der von einem verheerenden Syrahochwasser am 22. Juli in der Stadt Betroffenen, bei dem zahlreiche Häuser zerstört oder beschädigt worden waren und 26 Menschen ihr Leben verloren hatten, statt.

Ein Gutachten des Kantors Johann Friedrich Fincke vom 29. September 1834 über das Werk Mendes war voll des Lobes. In der Folgezeit wurde das Instrument auch für Übungszwecke der Zöglinge des Plauener Lehrerseminars genutzt.

Die folgenden Jahrzehnte brachten Reparaturen und Veränderungen mit sich, besonders 1900/01 durch Emil Müller, Werdau. Nichtsdestotrotz kam der Wunsch nach einer neuen, größeren Orgel auf, der 1926 mit einem romantischen Werk der Gebrüder Jehmlich aus Dresden in Erfüllung ging. Das Gehäuse der Mendeorgel blieb, abgesehen von einigen Umbauten und Veränderungen (z. B. Entfernung der geschnitzten Bekrönungen der Seitentürme), erhalten.

Johann Gottlob Mende (geboren 1787 in Siebenlehn, gestorben 1850 in Leipzig) zählte zu den bedeutendsten sächsischen Orgelbauern seiner Zeit. Aus der Tradition Gottfried Silbermanns heraus baute er Werke im Sinne der Frühromantik und war letzter Universitätsorgelbauer. Der später berühmte Friedrich Ladegast (1818-1905) hatte sich während seiner Wanderschaft bei ihm vervollkommnet.

Ermittelt und verfasst von Frank Weiß

Die Jehmlich-Orgel von 1926

Die Orgelakte, die den Zeitraum 1925 – 1936 umfasst, wird mit einem Schriftstück eröffnet, welches der Schuldirektor a. D. Bittrich unterzeichnet hat. Es trägt die Überschrift: „Weißflogorgelstiftung“. Zu Ehren von Pfarrer Weißflog, der sein 40jähriges Dienstjubiläum begehen konnte, wurde die Stiftung, die eigentlich eine Sammlung war, nach ihm benannt.

Das Schreiben beginnt mit einem Absatz, dessen Inhalt unserer heutigen Situation nahekommt. „In weiten Kreisen unserer Gemeinde ist die Meinung verbreitet, daß unsere Orgel ihren Zweck noch erfülle. Das ist nur halbrichtig. Wohl genügt sie dank der pfleglichen Behandlung [durch Herrn Kantor Hammerschmidt] von einem Sonntag zum anderen noch den Ansprüchen der Choralbegleitung. Allen höheren Anforderungen gegenüber versagt sie. Und wir schweben ständig in der Gefahr, beim Gottesdienst einmal in eine recht fatale Lage zu kommen. […]“

Zur Verdeutlichung der finanziellen Lage wird berichtet: Bereits vor dem 1. Weltkrieg wurde an eine Erneuerung der Orgel gedacht. Die angesammelten 9 000 M fielen der Inflation zum Opfer. Anfang 1925 begann eine beispielhafte Sammlung, indem etwa 130 Gemeindeglieder bei vielen tausend Besuchen Spenden einwarben. Einschließlich je einer Spende von 5 000 M und 1 000 M und einer Zuwendung des Stadtrates von 3 000 M wurde ein Bruttobetrag von 21 518.90 M erzielt. Nach Abzug der Werbungskosten verblieben 21 268.90 M.

Die Kirchgemeindevertretung beschloss am 5. Juni 1925, den Bau der neuen Orgel der Firma Gebr. Jehmlich , Dresden, zu übertragen. Um sparsam zu wirtschaften, sollten der Prospekt und 9 noch brauchbare Register aus der alten Orgel übernommen werden. Es wurde mit Gesamtkosten von 30 000 M gerechnet. Der Fehlbetrag von ca. 8 750 M sollte durch weitere Spenden aufgebracht werden. Mit dem Betrag von 4 000 M, die vom vorherigen Jahreshaushalt übrig geblieben waren, konnte auf Vorschlag des Kirchenvorstandes und mit Genehmigung des Konsistoriums der Fehlbetrag verringert werden.

Das Schriftstück des Herrn Bittrich schließt mit dem Satz: „Wir sind der Meinung, daß es sich jedes Gemeindemitglied zur Ehre anrechnen müsse, wenn es sich bei dem ersten wuchtigen „Nun danket alle Gott“ auf der neuen Orgel sagen kann: Hierzu habe auch ich nach Kräften beigesteuert.“

Bis es zur Vergabe des Bauauftrags kam, waren noch zahlreiche Hürden zu überwinden. Es lagen zwei Angebote zur Auswahl vor. Außer der Firma Gebr. Jehmlich hatte der Orgelbauer Otto Poppe aus Schleiz ein Angebot abgegeben. Am 15.IV.1925 schrieb er an den „Hochwohllöblichen Kirchenvorstand“ der Luthergemeinde Plauen. Poppe bot an eine Orgel mit 39 klingenden Registern, 3 Manuale, 1 Pedal, 46 Nebenzügen, 7 Windladen, Röhrentraktur, 2762 Pfeifen. Preis: 26 130 M. Die Beschreibung enthält alle zu damaliger Zeit möglichen Spielhilfen, die bei pneumatischer Traktur möglich waren.

Am 4. Mai 1925 schrieben Gebr. Jehmlich an den Musikausschuss des Kirchenvorstandes der Lutherkirche. Sie bezogen sich auf eine Besichtigung und Vermessung der Orgel, die im Beisein von Prof. Schnackenberg und Kantor Hammerschmidt stattgefunden hatte. Im gleichzeitigen Angebot beschrieben die Gebr. Jehmlich ausführlich die getroffenen Absprachen in Bezug auf notwendige bauliche Veränderungen und die vereinbarte Disposition. Die Orgel sollte 43 Register einschließlich 2 Transmissionen auf 3 Manualen und Pedal bekommen. Sämtliche technische Einrichtungen wurden ausführlich beschrieben. Der Preis, ausschließlich Transport und Gehäuse, sollte 27 860 M betragen.

Bild über ein Orgel Gutachten von Juli 1925
Das Gutachten von F. L. Schnackenberg im Juli 1925 über den Zustand der damaligen Orgel.

Bis zur endgültigen Erteilung des Auftrags war ein umfangreicher Schriftwechsel zwischen der Orgelbaufirma und den Organen der Kirche angefallen. Zahlreiche Korrekturen und Änderungswünsche von Kantor Hammerschmidt und Prof. Schnackenberg mussten Gebr. Jehmlich berücksichtigen. Um die Preise wurde bis ins Kleinste verhandelt. Bereits am 25. Mai 1925 folgte ein neuer Kostenanschlag. Dieser wurde vom Lutherkirchen-Vorstand mit einer Liste weiterer Bedingungen beantwortet. Die Verschleppung der Auftragserteilung durch immer neue Wünsche seitens des Musikausschusses hatte eine Verschiebung des ursprünglichen Liefertermins, Oktober 1925, zur Folge. Jehmlich bat am 18. Juni um die Verlängerung des Termins.

Im Juli 1925 gab der als Orgelsachverständiger verpflichtete F. L. Schnackenberg ein Gutachten über die alte Orgel ab, in dem er zu begründen versuchte, warum das in seinem Erhaltungszustand gute Werk für die jetzige Zeit nicht mehr taugt. (Um nicht auf die Einzelheiten eingehen zu müssen, folgt hier das Faksimile des Gutachtens als Leseaufgabe.)

Im selben Monat schrieb Schnackenberg ein Gutachten zum Angebot Jehmlichs vom 25. Mai 1925, in dem er Bedenken und weitere Vorschläge zur Sprache brachte. Diese dienten zur weiteren Verhandlung mit der Fa. Jehmlich. Am 2. Oktober schrieben Gebr. Jehmlich an Herrn Fabrikbesitzer Fuchs (das war der Verhandlungsführer des Kirchenvorstandes) mit Bezug auf ein Schreiben vom 25. September. Es wurde ein völlig überarbeitetes Angebot angekündigt mit dem Hinweis, dass der Liefertermin erst im Frühjahr 1926, Ende April, sein wird. Am 3. November wurde das erneuerte Angebot abgegeben mit der Bitte um endgültige Auftragserteilung.

Inzwischen hatte sich der Kirchenvorstand entschlossen, die Orgel in zwei Bauabschnitten zu errichten. Deshalb musste die Firma Jehmlich wieder einen Kostenanschlag einreichen. Unter dem 26. Januar 1926 wurde das Angebot für eine Orgel mit 34 klingenden Registern auf 3 Manualen und Pedal eingereicht. Im Mai baten Gebr. Jehmlich um genaue Angaben zu den Stiftungstafeln, die am Orgelgehäuse angebracht werden sollen. Ein weiterer umfangreicher Schriftwechsel zur Gestaltung der Tafeln und deren Anbringung folgte. Zur Diskussion stand auch die Ausweißung des Kirchenraumes, die tunlichst vor dem Orgelbau erfolgen sollte. Wegen Geldmangel sollte diese Maßnahme verschoben werden, erfolgte aber dann doch zu Lasten des Kontos Orgelneubau. Der Abbruch der alten Orgel begann am 29. Juni. Es folgten umfangreiche Arbeiten von Maurern, Elektrikern und Heizungsbauern.

Über den Verlauf der Errichtung des Orgelwerks liegen keine Berichte vor. Erst mit der Einladung zur Orgelweihe wurde der Faden wieder aufgenommen. Für den 10. Oktober 9 Uhr war der Weihegottesdienst angesetzt. Abends 6 Uhr gab es eine „Musikalische Feierstunde“ mit Orgelwerken, Chor- und Sologesang. Das Programm ist erhalten. Im Lutherboten vom Oktober 1926 sind der Willkommensgruß und die Weiherede von Pfarrer Weißflog abgedruckt. Von Kantor Hammerschmidt wurde das neue Orgelwerk beschrieben.

I.Manual C-a´´´ II. Manual C-a´´´ III. Manual C-a´´´ Pedal C-f´´
Dolce 8´ Salicional 8´ Gedackt 8´ Violon 16´
Flöte 8 Rohrflöte 8´ Schwebeflöte 8´ Subbaß 16´
Gambe 8´ Quintatön 8´ Traversflöte 8´ Principalbaß 8´
Principal 8´ Fugara 8´ Geigenprincipal 8´ Violoncello 8´
Gemshorn 4´ Flötenprincipal 8´ Rohrflöte 4´ Oktavbaß 4´
Oktave 4´ Flute d´amour 4´ Fugara 4´ Posaune 16´
Oktave 2´ Principal 4´ Piccolo 2´ Gedacktbaß 16´ (Transmission)
Quinte 2 2/3´ Waldflöte 2´ Harmonia Ätheria 3f.
Cornett 3f. Mixtur 3f.
Mixtur 4f. Gedackt 16´
Bordun 16´ Oboe 8´
Trompete 8´

In seinem Gutachten vom 13. Oktober 1926 beurteilte Schnackenberg das neue Werk sehr positiv, beschrieb auch die Vorteile, die es gegenüber der alten Orgel hat. In einem Zusatz-Gutachten vom 9. November hat er doch einige Mängel aufgelistet, die Jehmlich beheben sollte.

Für den Einbau der noch vorgesehenen weiteren Register lag ein Kostenanschlag der Gebr. Jehmlich vom 25. Mai 1932 vor, der mit einigen Änderungen am 8. Juni wiederholt wurde. Nach Erteilung des Auftrags und erfolgter Ausführung war Prof. Schnackenberg in einem Gutachten voll des Lobes des nunmehr vollendeten Werkes. 1936 schloss der Kirchenvorstand mit der Firma Jehmlich einen Pflegevertrag ab.

Einbauten 1932
III. Manual C-a´´´ Pedal C-f´´
Vox coelestis 8´ Dulcianbaß 16´
Aeoline 8´ Principalbass 16´
Violine 8´
Dolce 16´
Clarinette 8´

Veränderungen ab 1951 – 1956.

Durch ein Gutachten des Orgelsachverständigen Ernst Flade vom 5. November 1951 erfahren wir von Überlegungen zur Umgestaltung der Orgel. Es war angedacht, die Werke des II. und III. Manuals aus dem Turmraum zu nehmen. Ein Rückpositiv, mittig in die Emporenbrüstung eingebaut, sollte die Klangabstrahlung in den Kirchenraum verbessern. Wegen Geldmangels musste man sich vorerst auf wenige Maßnahmen beschränken. Für 3 627 Mark wurden folgende Arbeiten ausgeführt:

  • Umstellung des Spieltisches von der Seite nach der Mitte der Orgelempore
  • Auseinandernahme und Reinigung aller Apparate, Einregulierung aller Ventile
  • Neuintonation und Reinstimmung sämtlicher Register
  • Lieferung einer neuen verstellbaren und aufklappbaren Orgelbank

Weitere Veränderungen, besonders der Einbau von drei Zungenstimmen, wurden vorgeschlagen.

Auf Veranlassung von Kirchenmusikdirektor (KMD) Rammig reichte die Firma Jehmlich mit Schreiben vom 13. Mai 1953 einen Dispositions-Entwurf ein für eine Orgel mit 32 Registern. Die mit der Neugestaltung verbundenen weiteren Arbeiten wurden ausführlich beschrieben. Jehmlich meinte, es würde alles fast auf einen Neubau hinauslaufen, der auch bauabschnittsweise durchgeführt werden könnte. Am 20. August erstellte Jehmlich ein ausführliches Kostenangebot, ausgehend von 34 Registern. Einschließlich der Anfertigung des Gehäuses für das Rückpositiv wurden 18 500 M veranschlagt. Die Aufarbeitung der zur Wiederverwendung vorgesehenen Pfeifen sollte in der Anbringung neuer Kerne und Öffnen der eingeriebenen Pfeifenfüße bestehen.

Auf Nachfrage von Jehmlich wurde am 23. April 1954 der Auftrag zur Ausführung des 1. Bauabschnitts erteilt. Im Januar 1955 wurde das umgearbeitete Pfeifenmaterial des I. Manuals angeliefert. Der erste Bauabschnitt konnte beginnen. Im Juni 1955 wurde der 2. Bauabschnitt ausgelöst. Jehmlich teilte mit, dass die im Kostenanschlag genannten Preise nicht gehalten werden können, weil die Grundlöhne um 15 % erhöht wurden. Die für später geplante Aufarbeitung der Pedalregister wurde zusammen mit dem I. Manual bereits ausgeführt, um die Orgel in einen optimalen Zustand zu versetzen. Als letzte Belege über diesen Orgelumbau sind Rechnungen der Firma Jehmlich vom September und Oktober 1956 abgeheftet. Der Bau des Rückpositivs fand nicht statt. Das gesamte Material des ausgebauten III. Manuals ist seitdem verschwunden. Über den Verbleib gibt es keinen Nachweis.

Reparatur und Umbau durch Johannes Schubert, Dresden.

Ende des Jahres 1964 berichtete Kantor Lothar Fleischer dem Kirchenvorstand vom bedenklichen Zustand der Orgel, besonders über den starken Holzwurmbefall. Er empfahl zugleich mit der Holzwurmbekämpfung eine Generalreinigung. Es begannen Verhandlungen mit der Firma Jehmlich. Die Orgel wurde von Mitarbeitern der Firma besichtigt. Daraufhin folgte eine Empfehlung mit Kostenanschlag vom 20. September 1965 für eine umfangreiche Reparatur einschließlich Holzwurmbekämpfung. Dieser Vorgang brach Ende 1967 ab. Ein entsprechender Auftrag wurde nicht erteilt.

Erst 1972 wurde um eine Durchsicht und Stimmung der Orgel angesucht. Dabei wurde der bedenkliche Zustand erneut festgestellt und angefragt, ob es nicht besser wäre, über einen Neubau nachzudenken. Im April 1974 schrieb Kantor Fleischer an die Firma Jehmlich. Anlässlich der bevorstehenden Reparatur des Fußbodens der Orgelempore entstand wieder die Frage nach einer Generalreparatur der Orgel gemäß Kostenanschlag von 1965 und der inzwischen gestiegenen Preise.

Bei einer Durchsicht und Stimmung im Juli 1974 durch die Firma Jehmlich wurde wieder der schlechte Zustand der Orgel festgestellt. Diesbezüglich folgte im September ein Kostenanschlag für eine Reparatur. Nach Kenntnisnahme durch den Kirchenvorstand beschloss dieser, den Rat der Orgelsachverständigen(OSV) des Bezirkes und des Landeskirchenamtes einzuholen. Im Oktober schrieb Kantor Fleischer an den OSV des Bezirkes, Domkantor Metz in Zwickau, mit der Bitte um Beurteilung der Orgel.

Im Januar 1975 schickte Metz den Kostenanschlag Jehmlichs zurück mit der Bitte, einen anderen OSV zu beauftragen. Nun schrieb Kantor Fleischer an den OSV der Landeskirche, Kurt Flämig in Moritzburg. Mit ihm wurde eine Besichtigung im März vereinbart. In einem fünf Seiten langen Bericht vom 5. Mai wurde das Ergebnis zusammengefasst. Flämig schilderte die seit Erbauung der Orgel vorgenommenen Veränderungen und deren Auswirkung auf den Klang. Den derzeitigen Zustand beschrieb er als sehr schlecht. Wegen des starken Holzwurmbefalls waren einige Funktionen ausgefallen und Teile der Orgel wurden stillgelegt.

Eine Reparatur durch Jehmlich zur Beseitigung der schlimmsten Schäden sollte 25 000 DM kosten, würde aber den Gesamtzustand nicht aufwerten. Deshalb sollte überlegt werden, das Geld besser in ein neues Werk zu investieren. Auch die Anschaffung einer guten Gebrauchtorgel wurde empfohlen. Um sparsam zu bauen, sollte ein Werk mit 17 Registern auf 2 Manualen und Pedal ausreichen unter Verwendung der noch brauchbaren Pfeifen aus dem jetzigen 2. Manual.

Im Juni 1975 machte die Petri-Nicolai-Gemeinde Freiberg der Luthergemeinde Plauen das Angebot, die zur Verfügung stehende Orgel der Nicolaikirche von J. G. Mende zu übernehmen. Welche Überlegungen zu diesem Angebot angestellt wurden, ist in der Orgelakte nicht überliefert. Im Ergebnis wurde die Orgel nicht gekauft.

Auf eine Anfrage bei Firma Jehmlich im August 1975 zur Lieferzeit nach Auftragserteilung erhielt die Luthergemeinde zur Antwort: Sowohl Reparatur als auch Neubau sind erst in 4 – 5 Jahren möglich. Jehmlich gab zu erkennen, dass eine Generalinstandsetzung nicht erstrebenswert sei, zumal die jüngeren Kollegen sich mit der alten Pneumatik nicht auskennen und die Beschaffung von Ersatzteilen problematisch ist.

Auf Empfehlung von OKR Decker, von OSV Kantor Kurt Flämig, Dresden, nahm Kantor Fleischer Verbindung auf zu Johannes Schubert, Dresden. Im Juni 1976 schilderte Fleischer ausführlich den Zustand der Orgel und fragte Schubert, ob er helfen könne. Im folgenden Schriftwechsel gab Schubert seine Vorstellungen zum notwendigen Zeitaufwand und zur Beschaffung von Ersatzteilen und Hilfsmitteln bekannt. Nach einer Untersuchung der Orgel Anfang Dezember 1976 reichte Schubert ein ausführliches Gutachten ein, in dem er seine Vorstellung von der Reparatur darlegte. Er rechnete mit 700 Arbeitsstunden, verteilt auf etwa zwei Jahre. Kantor Fleischer erklärte seine Bereitschaft, als sachkundiger Helfer während der Bauzeit zur Verfügung zu stehen.

Das Jahr 1977 begann mit einem umfangreichen Schriftwechsel zwischen dem Kirchenvorstand der Luthergemeinde und dem Landeskirchenamt, der hauptsächlich die Genehmigung des Bauvorhabens zum Inhalt hatte. Im November konnte Schubert endlich mit der Arbeit beginnen. Der folgende Schriftwechsel bezog sich wesentlich auf Terminabsprachen und das Problem der Heizung der Kirche, auch um Beschaffung von Ersatzteilen.

Im Januar 1980 berichtete der Kirchenvorstand der Luthergemeinde an das Bezirkskirchenamt vom Abschluss der Orgelreparatur im November 1979. Die Orgelabnahme durch den Orgelsachverständigen, Kantor Gerdes, Leipzig, im Beisein von Kirchenmusikdirektor Heroldt, Plauen, Kirchvorstehern und dem Orgelbauer J. Schubert erfolgte am 29.11.1979. Es wurde erwähnt, dass die Gemeinde von 1976 bis 1979 ca. 17 500 Mark spendete. Unter dem 30. Januar 1980 erstattete Orgelbauer Schubert dem Kirchenvorstand der Luthergemeinde einen ausführlichen Bericht über seine vom 7.12.1976 bis 29.11.1979 ausgeführten Arbeiten an der Orgel der Lutherkirche. Erst am 29.04.1980 erstellte der OSV J. Gerdes seinen Bericht über die Untersuchung der Orgel nach Beendigung der Reparatur. Seine Empfehlungen zur Behebung einiger Unzulänglichkeiten wurden teilweise umgesetzt. Die Überholung des Spieltisches wurde verschoben. 1984 wurden Maßnahmen zur Beschaffung eines neuen Winderzeugers (Gebläsemotor) von der Firma Laukhuff, Weikersheim, ergriffen. Finanzierung und Einfuhrgenehmigung mussten organisiert werden. Die Bezahlung des Motors übernahm das Hilfswerk der Ev.-Luth. Landeskirche

Das erste Orgelkonzert an der erneuerten Orgel spielte Domkantor Günter Metz, Zwickau, am 29. April 1980.

Zum Gedenken an den im Herbst 1995 verstorbenen Orgelbauer Johannes Schubert veröffentlichte „Der Sonntag“ von Ostern 1996 einen Artikel von Kantor Lothar Fleischer. Er würdigte ausführlich die außerordentlichen Fähigkeiten Schuberts, besonders dessen selbstlosen Einsatz für unsere Orgel. Die vorgenommenen Arbeiten und Veränderungen wurden zusammenfassend dargestellt:

Totaler Ausbau der Orgel, Reinigung, Abschlagen lockeren Wandputzes, Holzwurmbekämpfung, Winddruckveränderungen, […] Umintonation des I. Manuals und des Pedals, Wiedereinrichtung eines III. Manuals, Einbau von Tremulanten im II. und III. Manual.

Seither sind 40 Jahre vergangen. In dieser Zeit ist ein fortlaufender Verschleiß eingetreten, der sich nicht aufhalten lässt. Eine nochmalige Generalreparatur ist bei den heutigen Preisen nicht vertretbar. Deshalb soll ein Neubau angestrebt werden, um das erforderliche Kapital für ein dauerhaftes Werk anzulegen.

Ermittelt und verfasst von Johannes Reichel